Ich liege Blut spuckend auf der Straße oder Wie ein Zypern-Urlaub anders abläuft als erwartet

Wieder beginnt das Frage-und-Antwort-Spiel. Der Sauerstoff ist erneut aus, vergessen. Es wird stickig unter der Maske, ich kann sie aber nicht entfernen, bin ja fixiert. Mein Blick ist auf andere feuchte Deckenplatten und flackernde Lampen gerichtet. Die Gesichter wechseln sich ab, stellen alle die gleichen Fragen. In der übrigen Zeit werden laut Sätze hin und her gebrüllt.

Jemand zieht meine Schuhe weg, dann die Hose. Ich liege in Shorts auf der Bahre fixiert in einem eiskalten Raum. Nun geht mein Körper in den Autopilot. Ich zittere wie Espenlaub, meine Zähne klappern, ich kann es nicht stoppen. Niemand nimmt Notiz davon, stattdessen werden weitere Sätze gebrüllt. Irgendwann schiebt man mich weiter. Wieder ist mein bester Freund zur Stelle. Gott sei Dank!
Irgendwie hat er sich durch die kurz öffnende Tür in den Behandlungsbereich des Emergency Room geschlichen. Man will ihn rauswerfen, er weigert sich; darf schließlich bleiben. Allein dieser Anblick, das vertraute Gesicht und die Worte in meiner Muttersprache, sind ein unglaublicher Trost. Ein Anker.

Die Bahre wandert weiter. Ich interpretiere: dass da sieht aus wie ein Röntgengerät. Das nächste ist definitiv ein Ultraschall.
Endlich bemerkt jemand das Blut, das aus meinem Mund läuft (nicht, dass ich es nichts bereits erwähnt habe, dass da was weh tut). Meine Zähne schmerzen und die Lippen sind geschwollen, es ist die Innenseite meines Mundes, die verletzt ist. Muss genäht werden. Ich atme erst mal auf. Keine inneren Verletzungen. Ah, da ist eine Schulterwunde, merkt man zwanzig Minuten später. Fleischwunde. Auch die muss genäht werden. Und eine weitere blutige Wunde am rechten Unterarm.

Eine Arzthelferin / Krankenschwester (ich weiß es nicht so genau) spült die Wunde aus. Da Knappheit an diversen Medikamenten herrscht, schüttet sie ein Mittel aus einer Flasche auf die Wunde. Mit Filzstift hat jemand „Peroxid“ darauf geschrieben. Das ist ein Mittel, das auch in der Haarfärbung eingesetzt wird und mit dem durchaus auch Wunden desinfiziert werden können. Man kann jedoch diplomatisch formuliert sagen, dass es ein wenig unangenehm ist und bei uns nicht für Wunden eingesetzt wird. Ich bin stolz darauf, nicht loszubrüllen. Eine Spritze, dann Stiche, fertig. Schließlich ist mein Mund dran. Es wird gespritzt. Zu wenig! Egal, es wird trotzdem genäht.

„Be patient“, sagt jemand.
Versuche ich ja!

Dann kommen weitere Ärzte, die gleichen Fragen werden wieder gestellt. Es wird klar: so leicht komme ich hier nicht mehr weg.

Arzt: „How are you?“
Andi: „Very well, thanks! Can i go now?“
Arzt: „If you are okay, why are you here?“
Tja, Schachmatt.

… weiter auf der nächsten Seite.

2 comments: On Ich liege Blut spuckend auf der Straße oder Wie ein Zypern-Urlaub anders abläuft als erwartet

  • Gut das alles glimpflich abgelaufen ist, ich hoffe da kommt nicht noch was nach. So eine Auslandskrankenversicherung habe ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Ich nutze dazu den ADAC, ist nicht die preisgünstigste, aber dafür kann man auf die Organisation des ADAC zurückgreifen. Man hat eine Rufnummer unter der man sich an Helfer wenden kann und die wissen wen sie ansprechen können. Alleine und hilflos im Ausland um Krankenhaus und dazu noch Verständigungsproblem, was für eine gruselige Vorstellung.

  • Da hast du aber wirklich nochmal Glück gehabt! Ich arbeite im Reisebüro und bekomme oft ähnliche Horror-Storys von meinen Kunden erzählt.
    Aber gut, dass du es gut überstanden hast und uns weiter mit Lesestoff beliefern kannst. 🙂

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