Ich liege Blut spuckend auf der Straße oder Wie ein Zypern-Urlaub anders abläuft als erwartet

Mein bester Freund holt das Auto, fährt mich zu einem nahegelegenen Restaurant, wo wir auch die Quads mieteten, ein anderer Freund ruft den Rettungswagen. Die Leute hier schauen mich an, als wäre ich der Tod auf Latschen. Seltsam das alles, so schlimm geht es mir doch gar nicht. Erst langsam realisiere ich die Kratzer, Prellungen, die Schulter mach sich bemerkbar. „Schau da besser nicht hin“, sagt einer meiner Freunde. Ich beherzige seinen Rat.
Der Krankenwagen ist da. Die Rettung! Falsch. Denn jetzt geht es erst richtig los. Zuerst kommen zwei Rettungssanitäterinnen.

Andi: „Nice to meet you.“
Sanitäterin (recht jung): Schaut mich leicht entsetzt an und schweigt.

Eine der beiden reißt mir das Shirt auf. An dieser Stelle würde ich ja gerne behaupten, dass meine animalische Anziehungskraft sie dazu verleitet hat. Genau, wie die zweite, die mit einer Schere den Rest erledigt. Aber irgendwie bezweifle ich das. Pulsmessung, Halskrause, eine Stablampe wird vor mir geschwenkt, dann liege ich fixiert auf einer Trage. Tja, nur wie bekommt man diese in einen Rettungswagen? Der erste Versuch schlägt fehl. Der zweite auch. Beim dritten bekomme ich langsam Angst. Der vierte gelingt. Mittlerweile wurde ich kräftig durchgeschüttelt.

2016-08-26 15.08.58-1

Die Fahrt dauert nicht lange, kommt mir aber ewig vor. „Are you okay?“, werde ich hundert Mal gefragt. Ich sage „yes“, mache das Daumen-hoch-Zeichen. Eine Sauerstoffmaske wird mit aufgedrückt. Dann sind wir da. Es rumpelt. Sah ich vorher mit meinem fixierten Kopf nur die Decke auf der Wageninnenseite, sehe ich jetzt das Innere der Notaufnahme. Von Feuchtigkeit durchnässte Deckenplatten, kaputte Lampen. Worte werden hin und her gebrüllt, Menschen unterhalten sich über mich. Aber nur wenig mit mir. Es wird gedrückt, beleuchtet, untersucht, dann liege ich da. Niemand sagt etwas.

Auf Nachfrage erfahre ich: Das Krankenhaus ist nicht ausgestattet mich zu untersuchen. Ich werde in ein anderes gebracht. Mittlerweile ist mein bester Freund eingetroffen. Später erfahre ich, dass sie ihm gar nicht gesagt haben, wohin es geht. Daher hat er den Krankenwagen in halsbrecherischer Fahrt verfolgt. Ihm scheint es nach wie vor gut zu gehen. Dafür bin ich so dankbar. Nie hätte ich mir verziehen, wenn ihm etwas geschehen wäre. Jetzt laufen meine Tränen. Einfach so. Mein Körper nervt gerade tierisch.
Die Fahrt geht also weiter. In der Fahrerkabine unterhalten sich der Fahrer und der Sanitäter. Die Sauerstoffmaske sitzt auf meinem Gesicht. Er hat vergessen, die Zufuhr aufzudrehen. Langsam wird es stickig. Die Bahre ist auch nicht fest verankert. Ich rutschte nach links, nach rechts, nach vorne, nach hinten; werde durchgeschüttelt. Schön, hätte ich innere Verletzungen davongetragen, wäre das wohl das Ende. Irgendwann wird der Sanitäter aufmerksam (kurz, bevor wir ankommen). Er dreht den Sauerstoff auf, hält die Bahre fest.

Wir sind da.

… weiter auf der nächsten Seite.

2 comments: On Ich liege Blut spuckend auf der Straße oder Wie ein Zypern-Urlaub anders abläuft als erwartet

  • Gut das alles glimpflich abgelaufen ist, ich hoffe da kommt nicht noch was nach. So eine Auslandskrankenversicherung habe ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Ich nutze dazu den ADAC, ist nicht die preisgünstigste, aber dafür kann man auf die Organisation des ADAC zurückgreifen. Man hat eine Rufnummer unter der man sich an Helfer wenden kann und die wissen wen sie ansprechen können. Alleine und hilflos im Ausland um Krankenhaus und dazu noch Verständigungsproblem, was für eine gruselige Vorstellung.

  • Da hast du aber wirklich nochmal Glück gehabt! Ich arbeite im Reisebüro und bekomme oft ähnliche Horror-Storys von meinen Kunden erzählt.
    Aber gut, dass du es gut überstanden hast und uns weiter mit Lesestoff beliefern kannst. 🙂

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